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Die Fenster in der Marienkirche

kommentiert vom Künstler Tobias Kammerer

  

 "Die seitlichen Fenster im Chorraum sind den vier Evangelisten gewidment.

Sie beleuchten den Raum durch das einfallende Licht.Den Bildhintergrun bildet eine Blau bewegte Fläche. So entsteht eine Lichtführung im Raum. Sie erstreckt sich von den in Blau gehaltenen Seitenfemstern hin zum mittleren Hauptfenster, das in lichten und warmen Gelbtönen erstrahlt.

Die Randstreifen in der Komposition erscheinen in den Seitenfenstern fragmentarisch. Inhaltlich greifen die neu gestalteten Fenster das Evangeliumsthema der alten Fenster auf. So erscheinen in den Fenstern die Symbole der Evangelistenmit kalligraphisch gezeichnetem schnellen Strich. So versinnbildlicht die Engelsgestalt (Bild links) den Evangelisten Mathäus,

 

 

 

 

 

 

  der Adler den Evangelisten Johannes,

 

 

 

 

 

 

 

   der Löwe den Evangelisten Markus.....

 

 

 

 

 

 

 

   und der Stier den Evangelisten Lukas. Jeweils in einer unteren Ecke der Komposition bilden sich die Figuren der jeweiligen Evangelisten heraus. Sie sind in Grün gehalten, um der Hoffnung, die ihre Schriften beinhalten, Ausdruck zu verleihen.

  Analog zu diesem Thema sollen nun die neuen Fenster im Chorraum gestaltet werden. Diese Fenster wurden mit dem Wiederaufbau der Kirche nach dem zweiten Weltkrieg nicht wieder geöffnet. Nun sollen sie erneut zur Geltung gelangen.  

 

 

 

 

Die Fenster im Chorraum beschreiben die Engelschöre. Die Farbgebung beruht in der Hauptsache auf den Komplementärfarben Blau und Rot. Die Dualität des geistig kühlen Blaus und des warmen Rots zeichnet in der überlieferten christlichen Farbsymbolik das Bild des ersten Morgen des Paradieses: Der blaue Himmel und die von der Sonne geröteten Wolken. In der rot-blau Polarität manifestiert sich die Gottheit im Kosmos. Zusammengenommen spiegeln diese Farben die Einheit von Liebe und Weisheit in Gott. Dies kommt auch durch die Symbolik der Engelchöre zum Ausdrucki. Sie werden seit frühchristlicher Zeit durch diese farbliche Differenzierung angedeutet.

Das linke Fenster beschreibt den himmlischen Chor der Seraphim. Ihr Rot beschreibt ihre flammenden Flügel und ihr brennendes Herz. Sie stehen so in immerwährender Anbetung vor Gott. Wie in einem roten Band streben sie nach oben. Gehalten wird diese Komposition durch ein umlaufendes blaues Band. Ein solches Band findet sich auch in den anderen beiden Fenstern wieder und schafft so die formale und inhaltliche Verbindung. Das rechte Fenster ist dem Chor der Cherubim gewidment, den Hütern der himmlischen Weisheit. Blau als Farbe des Himmels steht hier für Gottesfrieden, Geistigkeit und Wissen.

Das mittlere Fenster deutet auf Ostern und Auferstehung hin. Eine strahlend goldgelbe Fläche versinnbildlicht hier den göttlichen Feuerhimmel. Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes findet darin ihren Ausdruck. Das Goldgelb vermittelt einen Eindruck von Wärme und Wonne. Das lichtnahe leuchtende Gelb gilt als Farbe der Erkenntnis.Als verbindendes Element zwischen Himmel und Erde begegnet uns das Licht, im übertragenen Sinn also Christus als Licht der Welt. So verläuft aus diesem zentralen Fenster der emporstrebende Streifen auch nach unten zum Altar hin und endet hinter dem Tabernakel.

Der Farbstreifen wiest die gleiche Breite auf, wie der Altarstein und der in Holz gehaltene Weg dorthin.
Hinter dem Kreuz erscheint die Farbe in Purpur. Der Purpur deutet hin auf die Verherrlichung Christi. Begleitet wird dieser Streifen von einer grünen Linie. Grün gilt seit jeher als Farbe der Auferstehung und als Symbol des Paradieses. Drei weiße Engel steigen in diesem Fenster zur Spitze empor. Weiß bedeutet hier Reinheit und Vollendung."

 In jeder Messfeier feiern wir das Hinabsteigen Gottes in die Welt, sein Gegenwärtigwerden in der Heiligen Eucharistie. In einer Präfation zu Weihnachten heißt es:"Dein ewiges Wort wurde ein sterblicher Mensch und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus das ewige Leben." Die  Linie kann sowohl von oben nach unten als auch von unten nach oben gelesen werden. Beide Richtungen finden in der Feier der Heiligen Messe Ausdruck.